Männer, die Kinder!

By missgeschick

Can I get some, can I spit some, which one?

Ich kenne Hotelzimmer im trockenen Sommer Deutschlands, Nachts, im
königsblauen Berlin, im hysterischen Hamburg, es ist Vollmond oder die
Baumkronen über der Wiese werfen ihre Schatten gleichgültig kühl über das
Geschehen der Kosmonauten, man kennt sich nicht oder weiß nur dass er auf
Deinen definierten Bauch abfährt, das er Musiker oder Schauspieler ist
oder sein Studium nicht zum Ende bringt und sonst auch nicht weiß wohin er
will, was ihn irgendwie verloren und so echt charmant wirken lässt. Deine
maskuline Stimme verheizt seinen Verstand ohne das der aus Stroh gebaut
sein muss, dass er Wein mag oder gar nicht trinkt, das erfährst Du kurz
danach wenn nicht davor. Das er Skateboard fährt und besser als Du selber
programmierst, dass er die Vernissage frühzeitig verließ um Dich zu
treffen, dass er aufgeregt ist und versucht es zu überspielen, mit seinem
Charme den er nutzt um die sich über alles auflehnende leidenschaftliche
Ohnmacht zu stemmen sich aber doch verliert, trotz Alter, Reife, Weisheit,
trotz alle seiner lächerlichen Erfahrung im viel zu tiefen Leben. Man
kennt sich nicht, nicht die grelle Atmosphäre, nicht seine Vergangenheit
(das immer größte Risiko), die abenteuerliche Luft, nicht die fremde
Geilheit (nur die Poesie Deines eigenen Blutes), ist Single und
angetrunken und die Lust reicht aus um es egal zu finden wer von beiden
zuerst einen Orgasmus erleidet – der Fremde oder Du – Hauptsache anfassen
was da im warmen Schlüpfer an schon feuchtem Rohrzucker wartet. Du weißt
nicht was er macht, als nächstes, oder Du, oder doch halt der Mann mit der
unnachgiebigen Brust und woher sie kommen, die flüsternden Lippen, die
Jahre nach Dir diese Welt erblickten oder vorher. Vielleicht ist er
Grieche, jedenfalls besitzt er einen Akzent, seine Unterwäsche und die
Kompositionen seiner Gestik, seines Parfum-Körpergeruchs stimmen und er
bedankt sich am nächsten Tage per SMS inklusive der charmanten Tippfehler,
dafür dass man ihn nach dem Sex nicht verlassen habe. Und wenn er kein
Grieche ist, mag er Perser sein und Dir weder mit Erwartungen noch
ketterauchend andersartig aber auch gekonnt ein Lächeln über das Kinn
ritzen, hingebungsvoll wie der Orient oder einfach ein Berliner,
zugezogener, frech, vollkommen unabhängig und ein Gespür nicht für Schnee,
doch aber für neiderweckendes Wohnungsambiente, das Weltall, die Natur
oder einfach für Typographie oder aber er ist akademisch und dennoch nicht
vorlaut. Einfach zwei Köpfe inmitten von Beton irgendwo in diesem jungen
Land ohne Mut. Sie bedanken sich dafür per Sims – für das Gebliebensein
und nicht für Dein Körper. Ich hatte keine Gründe zu gehen. Weil ich
„danach“, einfach irgendwann zufrieden, müde, wenn nicht faul war. Na
klar, kennt man oder auch nicht. Jeder kennt diese kleinen penetranten
Insekten, die auf dem Finger sitzen und nicht fortfliegen. Aber das waren
Männer, die einen Typen wie mich auf ihren Händen hielten, maskulin,
sportlich, also aktiv im Leben oder je nach dem auch passiv, in jedem
einzigen Fall geistreich, mit Stil symphatisch versaut, pornographisch
einfach, ehrlich und extrem authentisch. Ich habe mich oft derweil auf die
Sterne, die Stille über der Stadt, das Gezirpse der Grillen oder die Texte
der Songs konzentrieren können. Irgendetwas gab es darin das meine
Aufmerksamkeit unterdessen zerteilte … unterdessen alles seiner Natur
treu war; die Flügel der Glühwürmchen rotierten unmerklich leise, die
Parkanwohner schauten Fern und während in Baghdad täglich Menschen zu
Dutzenden ihr Leben verloren, hielt man Monate den Schrecken davon ab,
sich in London endlich zu legen.

Es gibt keinen Grund einen guten Menschen zu verlassen. „Gut“ kann man
fühlen. Dafür muss man kein Mädchen oder Chet Baker-Fan sein und auch
nicht Truman Capote gelesen haben. Man muss auch keine Tunte dafür sein.
Ich habe nichts gegen Tunten. Ich habe ja auch nichts gegen die RAF, das
Schulterblatt, Berlin Mitte, die CDU, Douglas oder den Hamburger Senat.
Man kann alles verstehen. Man darf aber zu allem eine Meinung besitzen -
selbst zur Panorama-Bar. Durchaus kann ich Madonna genauso viel abgewinnen
wie den Beastie Boys, Fat Freddys Drop oder Henry Miller. Und gegen
Mädchen habe ich genauso wenig wie gegen bisexuelle oder Transvestiten,
die Engstirnigkeit der 68er, Ersatzbefriedigung, Parteibücher, Durchfall
oder schlechte Pistazien. Vielleicht habe ich eine Aversion gegen
Knallfrösche, Sozial-Schwachmaten und „leichte“ Jungen. Männer die immer
noch Kinder sind, sind dem entgegen großartig. Das will ich nicht
verwechselt haben.

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