Dein Profil auf gayromeo.de

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Man ist, was man angibt zu sein. Vor allem im Internet. Und das Internet ist so eine unpräzise Wildbahn oder lyrisch ausgedrückt: die offene Form einer geschlossenen Anstalt. Mit virtuellen Profilen gefüllt, die das Wesen, die den Charakter und Gemütsanlage ihrer Besitzer offenbaren, ihn im Grunde verraten. Lassen Sie uns eines vorab nicht vergessen: es lässt sich im Leben aus jeder verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas herausschlagen. Und zweitens: Es tut gut zu lernen, sein Herz nicht an die Dinge zu hängen.

Man ist, was man angibt zu sein. Das standardisierte Angabeverfahren zur virtuellen Persönlichkeit bietet Beobachtern auf gayromeo.de (nicht gay.de) eine erste Schicht offenkundiger, persönlicher Eigenschaften – Angaben – wahr oder unwahr – zum Sexualverhalten (aktiv, passiv, Safer Sex), der Gesundheit (Raucher), Fetischen oder der eigene Charakter (Pedant, Chaot) kann für jedweden Interessenten jeden Alters, vom Besitzer skizziert und für den potentiellen künftigen und potenten Partner festgehalten werden. I miss you, but I haven’t met you yet.

Nahezu keiner, der sich als Bi- oder Homosexueller bekennt und Kontakte knüpfen möchte, kommt ohne eine ausgewählte Eigenschaft. Oder zumindest gibt es ihn selten: den Mann ohne Eigenschaften. Und gerade in virtuellen Flirtzonen gilt: keine Angabe ist selbstverständlich auch eine Angabe. Ein Gentleman genießt und schweigt und ist sich seiner qualitativen Eigenschaften sicher. Er lässt sich nicht auf das Niveau eines Tuchhändlers hinab. Aber auch für den Betrachter lässt sich festhalten: Du bist was Du klickst (oder liest). Das versaute Opfer Deiner Triebe? Einsam? Krank? Nein, einfach auf der Suche. Ziellos?

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, werden, um die multimediale Parallelidentität gemäß der eigenen Absichten zu vervollständigen, Bilder eingepflegt. Manche der virtuellen Schauwerbegestalter schmücken das virtuelle Eigenheim statt mit Selbstportraits, mit den Abbildungen ihrer “Liebsten”: oft sind es Schwulen-Ikonen, Götzenbilder wie die Pop-Lokomotive Minogue oder Königin Madonna, die in der homosexuellen Gesellschaft die Aufmerksamkeit genießen, die sich die Profilinhaber selbst erträumen.

Oder es sind diejenigen Objekte, denen die Profilbewohner selbst ihre eigene Aufmerksamkeit spenden: Katzen, Hunde, Tiere mit Kuschelfell, seltene Insekten und das, was der Volksmund, häufig aus einem angstvollen Desinteresse heraus, Fetisch schimpft – eine überdurchschnittliche Zuneigung und emotionale Reaktionsfreude gegenüber Sneakern, Socken, Leder, Lycra, Waffen und das was jeder andere Bürger auch, sich gemeinhin bei Beate Uhse besorgt: Spielzeug. Der Brückenschlag zwischen Alltagskultur und Pornographie gelingt hier durch das eigene Gedankenspiel.

Wer bei gayromeo.de neben wirklichem Humor, intelligenter Unverschämtheit und charmanter Penetranz auch noch Phantasie besitzt, kommt seinem Ziel, der Zerstreuung, hier sehr nahe. Weniger ist damit irgendein Sittenverfall gemeint, noch die sexuelle Befreiung, und Moral hat hier nur unter den homosexuellen Sekretärinnen-Typen, den so genannten Zicken einen Wert. Letztere verraten sich durch ihre Ungeduld gegenüber allem, insbesondere Antworten auf Short-Messages.

Wer hier phantasieren möchte, der findet für seine Vorstellungen auch die entsprechenden Bilder. You’ve gotta have rain to have a rainbow, you’ve gotta have dick to have a dick in your mouth (the moldy peaches). Wer sich gayromeo.de zu sehr zu Herzen nimmt, gelangt schnell in emotionale Ausnahmezustände oder ins virtuelle Abseits. Die Gabe sich selbst nicht zu ernst zu nehmen bringt einem hier erst das Tittytainment – den ganz großen Spaß. Natürlich kann man hier die große Liebe entdecken. Aber mit diesem Vorwand sollte man sich der Gemeinschaft von Hühnerherzen nicht nähern.

Vor der persönlichen Kontaktaufnahme strecken sich Betrachtern – wie im Leben auch – die Lebensbilder maskuliner Brüste, Nippel in der Frontale, Ärsche, Füße, prall gefüllte Unterhosen, Windeln im Dreiviertelprofil und errigierte Glieder entgegen. Ein Universum darstellender rasierter und unrasierter Künste. Die reizvolle Identität ist hier selten von tiefer Gesinnung. Täglich werden die Schaufenster neu dekoriert. Das ist Konsum pur. Missfällig ob der eigenen Sucht sich nicht loseisen zu können und ergebnislos Stunden in Bilderwelten zu baden, nennen manche, das für Homosexuelle vorgesehene Panoptikum auch Fleischtheke. Man sagt hier was man denkt (auch wenn man es gar nicht so meint). Das einem die Ehrlichkeit eines anderen nicht in jedem Moment des Lebens Vergnügen bereitet, darauf muss man hier vorbereitet sein, entspricht man nicht den gängigen Schönheitsidealen der Bravo-Mittelstreckenboys.

Die museumsgleiche Begehung der virtuellen Privaträume steht allen Usern, zumindest auf gayromeo.de kostenfrei offen. Der Eintritt Fremder in das virtuelle Wohnzimmer wird für normal erwartet – manchmal sehnsüchtig (auf jeden Schritt folgen Reaktionen – “Danke das Du mein Profil angeschaut hast”), hoffnungsvoll oder von wenigen, von ihrem Büroalltag Gelangweilten, dient der Gang durch das blaue Einwohnermeldeamt wohl zur Belustigung und zum Zeitvertreib bis zum Feierabend.

Wer mit Reizen geizt, macht sich der Hässlichkeit verdächtig oder erweckt das Desinteresse. Andere legen sich durch zielgruppenorientierte Profil-Headlines, durch Zitate von Shakespeare bis Nena oder eine punktuelle, doch aussagekräftige Bildsprache auf einen angestrebten Interessentenkreis fest. Nahezu jeder spielt seine Rolle. Nur wenige gut. Viele Wundern sich dennoch über die ausgelösten Reaktionen – “alle wollen hier nur Sex!”

Die Motive der Mühen individueller Profil-Gestaltung sind diverse. Meistens für das erfahrene Auge des lebensweisen Beobachters erkennbar. Erfahrene Kontakter können Illusionen und Betrüger an dieser Börse nichts anhaben. Eine goldene Regel scheint zudem: Man kriegt was man gibt. Für manche Grund aufkommender Depressionen – sie haben nichts zu geben, außer Einsamkeit.

Die Profil-Headlines und -texte erläutern gemeinhin das Wesen und die geistige Position oder Prostitution der virtuell sich präsentierenden Figurinen. Bürgerlich-konventionelle Treueschwüre wechseln sich hier ab mit Lobeshymnen auf die selige Zweisamkeit oder entsprechende Partnerschaften, offene Beziehungen und Gruppen. Ich suche nix, doch ohne Pic(ture) keine Antwort. Man liest von der Enge und der Einsamkeit gelebter Zweisamkeit – der Blick auf die Schwächen und Stärken, die Überlegungen und teils ziellosen Wünsche mancher Akteure liegen zur intensiven Betrachtung aller frei. Ganze Kataloge persönlicher Vorlieben und konkreter Antiphatien sind zum Fernstudium aufgeschlagen.

Man erkennt die Selbstdarsteller, die Einfaltslosen, die NewBees, die Genies des Selbstmarketings, die Volltrottel. Künftig werden wir hier erwähnen, wozu gayromeo.de uns inspiriert nachzudenken. Thematische Ausschlusskriterien gibt es keine. Alles ist erlaubt. Denn wer wenig erfährt, wird niemals viel erkennen.

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4 comments
  1. Julian Schuster said:

    Hey

    Leider musste in den Vergänglichkeiten ich die Feststellung machen ,was hier berichtet wird den Pfeil voll ins schwarze getroffen hat .
    Was man in der Homoszene so alles findet , teilweise ein regelrechter Abschaum der Gesellschaft vom Homosexulle .

    Die einen nichtreparablen Schaden anrichten ,man muss sich nur die einzelne Toiletten unsere Städt anschauen ,hier muss man sich fragen
    muss das eigendlich sein .

    angefangen von Wanddurchbrüche ,beschmieren der Wände mit Telefonnummern eiine massive Sachbeschädigung !!

    Mich wundert es nicht das in der heutigen Zeit ,die Homosexullen verfolgt werden ,hier sollte man mit äußerste härte durchgreifen .

    Ein Aufwand der sich lohnt,indem man die an der Wand angeschrieben Telefonnummer nach Motto “Ruf mich an ” bekanntlich heißt es die letzten beißen die Hunde oder mitgeschmiert mit gefangen .

    Man sollte diese Leute die ihre Telefonnummer hinterlassen zur Schadenersatz heran ziehen .

    Das was so geschrieben wird ,sei es bei homo.net die den täglichen
    Kontakt anzeigen es ist im wahrsten Sinne einen der offenen Formen
    einer geschlossenen Psychartrischen Krankenanstalten .

    Man kann sich schon mal in die Toilette zurück ziehen für ein schnellen
    Sex ,hat bestimmt keiner was dagegen

  2. harald said:

    Habe die Zeilen gelesen. Es sagt sehr viel Wahres über die Schwule
    gesellschaft aus. Das alles immer oberflächlicher wird , ist doch schon
    ein offenes Geheinmis.Die meisten Gays lesen vieles falsch oder garnicht.
    Die meisten Anzeigen gehen gleich unter die Gürtellinie,es wiederholt sich.
    Man sucht und weiß im Grunde schon ,das man keine Antwort mehr erwartet. Ich finde das schade und traurig zu gleich

  3. Teaser said:

    Ich frage mich, ob Herr Julian Schuster ein NPD-Parteibuch hat!???

  4. LosAlamos said:

    Hat er etwa zitiert ohne Quellenangaben?

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