Geile Typen

Es ist ungefähr das Stück Scheiße, dass man einem Schwarm Fliegen hinterlegt: zurechtgeschnitten auf 300 dpi Qualität gephotoshopped - Haut, Haut und nochmals Haut. Nimm ein Bild, wähl ein Ausschnitt, nutz die Retusche - sobald mich die Durchsagen, die Anschreiben derer, die versuchen ihre fliegrigen Beinchen via Short-Messages in meinen Geist zu stechen langweilen, wechsel ich das Foto, die Identität, nur um sie von Neuem aufzubauen, erweitert durch die Erfahrung der vorherigen mit dem Ziel eine interessantere Klientel zu erreichen oder deren Resonanzen. Menschen sind, bis auf die Ausnahmen (erschreckend) berechenbar. Und dennoch gibt es Menschen, die begreifen das im Leben nicht.

Dass wir Menschen so geil, insbesondere auf Zärtlichkeit sind, will ich auch im Folgenden nicht überbewerten. Diese Geilheit ist sicher durchschnittlich, wir kennen sie also alle und darum erscheint sie normal, wenn auch in ihren Formen sehr unterschiedlich ausgeprägt – es gibt Spezialisten. Geilheit ist interessant, weil sie uns Menschen und unser Handeln bestimmt, auf direktem oder indirektem Wege. Für die Befriedigung unserer Geilheit sind wir bereit Kompromisse zu schließen, unseren Verstand über die Stuhllehne zu schleudern …

Geilheit ist kein Leiden. Sie ist ein schlafendes Bedürfnis – wehe dem der es weckt. Mitunter ein übertriebenes aber doch niemals ein unbegründetes Bedürfnis. Ist es einmal gestillt, erwacht es nach Kurzem nur zu leicht erneut. Geilheit ist vielleicht eine Einstellung zum Leben, eine Kultur in uns selbst und sicher eine Typfrage. Bisher konnte ich drei Typen der Geilheit unter den Jungs die mich umgeben, anschreiben oder fesseln, feststellen:

Typ 1 der geilen Typen – aggressive Leichtigkeit

Typ 1 besitzt eine instinktive Weisheit, überall dort Scheiße zu wittern, die ihn befriedigt, ohne den Weg der realen Umsetzung zu bedenken. Seine Frage: “Willste ficken?” ist flankiert von überformten Egoismus. Sein Körper trägt im Vergleich zu den folgenden Typen einen bunten Strauß Risikofaktoren (…). Dennoch ist Typ 1 allenfalls körperlich dafür weniger geistig anstrengend. Er scheut Verbindlichkeit, was sich darin ausdrückt, dass seine Geschlechtspartner für ihn auswechselbar sind und bleiben. Die Antwort “Nein” überliest er nahezu aggressiv und auch regelmäßig. Genauso vergisst er kurzum, von welchen Objekten bereits Absagen vorliegen. Seine Geilheit steht in einem entgegengesetzten Verhältnis zu seiner Mündigkeit, die ihm erlauben würde, über sich selbst zu bestimmen oder seinen Blick im Idealfall im Sinne effizienterer Vorgehensweisen, zu schärfen. Seine Emotionalität scheint eher technisch, sichtbar an seinen motorisch ausdauernden Ausdrucksphänomenen. Er ist zu beliebiger Zeit geil auf schwule Scheiße. Unter Wachstum versteht er für normal alles andere als “Entwicklung”.

Der Sexualakt besitzt hier wenig kommunikative Bedeutung, was der Leichtigkeit einer Begegnung mit Typ 1 zuträglich sein kann sofern man entsprechende Erwartung nicht besitzt. Seine Zufriedenheit hängt einzig und allein vom Funktionieren seines Genitalapparates ab.

Typ 2 der geilen Typen – der Mutlose

Typ 2 der geilen Typen besitzt emotionale Intelligenz und ist in seinen Entscheidungsfindungen neben seiner geschlechtlichen Motivation ebenso von strategisch-kritischeren Denkvorgängen beeinflusst als Typ 1. Er entspricht weniger dem Tier, denn dem Menschen – wobei der Unterschied meist von denen, die sich für zivilisierter halten als andere, überschätzt wird. Seine Geilheit kann Typ 2 jedoch schwer verbergen, seine Motive sind, wie seine Wortwahl, offensichtlich. “Nettes Profil” oder “einfach geil!” lassen Rückschlüsse auf seinen Mangel an Mut und die daraus resultierende Angst den ersten aktiven Schritt einzuleiten, schließen. Bei Typ 2 hat sich die Geilheit zur Leidenschaft fortentwickelt bzw. kultiviert – seine Leidenschaft ist dennoch von plumper unbeweglicher Art, seine Verhaltensmuster unterstreichen dies. Seine Impulse zu handeln sind weniger aggressiv denn libinös gefärbt, im Zweifelsfall dranghaft, was ihn eben plump und berechenbar erscheinen lässt. Schwierigkeiten entstehen bei einseitigem Desinteresse aufgrund seiner Denkfähigkeit auch in bereits getrockneter Scheiße noch Einstiegslöcher zu suchen, seinen Rüssel in den Scheißeleib zu bohren und dadurch die eigentlich desinteressierten Opfer zu penetrieren.

Typ 3 der geilen Typen – der Verkannte

Typ 3 leidet unter seiner stark ausgeprägten Fähigkeit sich geistig in Begegnungssituationen in Nebel zu hüllen, was ihm praktische Wege zur Befriedigung eher selbst verbaut und durchschnittliche Interaktionspartner überdurchschnittlich langweilen kann. Er pflegt Anspruch, Geist und weltlich geprägte Illusionen und träumt von körperlicher Ekstase bzw. dem idealen Biofeedback. Ihm fehlt die klare Strategie, die er nur in Asnahmefällen entwickelt, da klebrige Romantik seine Vorstellungen verzerrt, die keiner Realität zu entsprechen scheinen. Ihm reicht die Vorstellung von schöner Scheisse. Sein Motiv ist die Einsamkeit, die ihn quält und von der er zu Lebzeiten annimmt, sie durch eine Beziehung eliminieren zu können. Das erscheint ihm praktisch stetig unmöglich. Was seiner derweil unbefriedigten Geilheit keinen Abbruch tut. Sein Ziel ist ob seiner Kompliziertheit zu sein schwerer einsehbar und darum wenig kalkulierbar, da sein Streben nach sozialer Interaktion ihn zu geistigen Höhenflügen, erkennbar durch virtuose Formulierungen, veranlasst, die den Blick auf seine Geilheit wiederum vernebeln. Seine Opfer verlieren mitunter schon vor der Durchsage der Zieldefinition das Interesse. Er ist ein Meister der Selbstbefriedigung. Was leider kaum ein einfach gestrickter Charakter zu erkennen vermag. Erkennt einer es doch, kann er das Paradies hinter dem Staudamm kennen lernen.

Bis zum nächsten Mal.

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