Fremdgehen statt Schluss

Mangelnde Aufmerksamkeit, einsetzende Blindheit gegenüber einander, die unsere temporäre Verliebtheit irgendwann ersetzt und insbesondere unbefriedigender Sex, zählen zu den nachhaltig wirkenden Hauptursachen ausgewählter Seitensprünge. Einsetzende Gewohnheit sorgt dafür, dass emotionale Veränderungen durch Betriebsblindheit zu einem großen Unfall heranwachsen können. Mit dem Ergebnis, dass Seitensprünge in Partnerschaften genau genommen nicht etwa nur plötzlich attraktiv sind. Und sie sind möglicherweise häufigste Ursache für schwergewichtige Beziehungskrisen und darauf folgende Trennungen. Man mache sich besser nichts vor: Nichts geschieht plötzlich. Das gibt es nicht. Alles hat eine Ursache, wir verlieren nur zu häufig den Blick fürs Detail. Die wenigsten Ursachen, die wir begehen, bekommen wir selber mit. Das Leben ist zu laut dafür.

Wir sind uns beim Fremdgehen sicher nicht immer aller Konsequenzen bewusst. Auch hier sind Details das, worin der Teufel steckt. Und da wir Menschen nicht als Götter auf die Welt geboren werden, sind wir zunächst fehlbar. Manche sind im übertragenen Sinne sogar derbe blind, wenig vorausschauend oder emotional nicht mit Empathie ausgestattet. Sie übersehen in jeder Beziehung die Bedürfnisse des Anderen. Es gibt sogar welche, die verstehen ihre eigenen Bedürfnisse nicht.

Deshalb sind wir so oft unentschieden. Nicht selten geht es Menschen wie folgt: Wir wollen weder unsere betrogenen Partner verlieren noch mit den neuen Fremden einen feste Beziehung eingehen. Das allein ist ein buntes Spannungsfeld und somit schon Herausforderung genug. Denn die Grenzen zwischen Beziehung und Affäre sind erschreckend fließend und beeinflussen sich gegenseitig in einem starken Maß. Der sexuelle Reiz einer Affäre und die Befriedigung der dadurch entstehenden Bedürfnisse, sowohl in der alten Beziehung als auch in der Affäre stehen plötzlich im Vordergrund. Und im Hintergrund ein unerfülltes Sexualleben in der Vergangenheit, dass Motor ist, für das Sich-aus-Verzweiflung-und-Hoffnung-auf-Besserung Treiben-lassen. Eine eingeschlafene Beziehung ist selten noch ein gesunder Magnet für das eigene Herz.

Ein identifizierter Mangel an Aufmerksamkeit des Partners gegenüber der vorhandenen Partnerschaft und einem selbst sowie die Unlust darauf stetig erneut hinzuweisen, weil es sich irgendwann lächerlich anfühlt, steigern die Lust, loszulassen. Selbst wenn man gedanklich nicht will. Hier hält auch die Gewohnheit durch rhythmische Bewegungen einen zurück Neues zu studieren.

Natürlich gibt es noch das eigene Verschulden, dass auf eigener Unfähigkeit beruht, die Beziehung aus dem Unglück zu führen (oder Details zu erkennen sowie die Notwendigkeit zu handeln). Lieber loslassen als Schwierigkeiten selbst zu verantworten und sie aufzulösen, lautet unser Motto dann. Es hilft aus der Unentschiedenheit eine Entschlossenheit werden zu lassen. Es hilft aus der Verzweiflung heraus in eine neue Gewohnheit hinein.

Meist erscheint bei Seitensprüngen die bestehende Beziehung aus dem Gleichgewicht geraten. Je nach Größe der Beziehungsprobleme oder dem Maß an unglücklicher Liebe steht das Fremdgehen schnell mit dem Motiv der Ersatzsuche für alle offenbaren Mängel in Verbindung. Die Affäre erscheint als ein Paradies. Selbst wenn sie nur ein Hirngespinst und fiktiv bleibt. Aber sie verändert einen. Das kann negativ, kann aber auch sehr positiv wirken, pro Beziehung quasi.

Manch eine Beziehung harmoniert einfach nicht mehr, unwiderruflich. Da ist jede nahestehende Liebschaft der direkte Ausweg aus der emotionalen Verzweiflung. Das wohl Schlimmste ist, wenn unser Gegenüber davon nicht irgend etwas mitbekommt. Dann ist die Trennung schon eine bessere Alternative. Man kann das Abwägen. Das sollte jedoch besser Zeit kosten. Sonst ist die Entscheidung nicht von anhaltendem Wert.

Wir rennen uns nicht immer, nicht immer gleich, aus verschiedenen Gründen: aus Mangel an Respekt, Gleichgültigkeit oder aus dem Scham heraus, eine Affäre zu führen. Das Versteckspiel beginnt, dass uns selber im Laufe der Zeit zum Verhängnis werden kann. Weil wir uns in widersprüchlichen Ausreden verfangen, neue Verhaltensweisen erlernen und unsere Körpersprache sich ändert. Und wir es kaum bemerken. Aber das hatten wir schon.

Der Hintergangene wird sich betrogen, belogen fühlen. Schwer wiegt das Gefühl, dass es jemand besseres gibt, als man selber zu sein scheint. Die Affäre des Partners führt einen schnell unweigerlich in den Vergleich und, wer hier für sich keinen strategischen Gesundheitsfond einrichtet, in den nervlichen Ruin.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: