Mein Freund weiß es doch

Aberglaube ist, zu wissen das der Partner nicht weiß was man tue oder zumindest, dass er es nie erfahre. Das bedeutet, man erlaubt sich den Luxus der Ignoranz gegenüber allen schon geschehenen Affairen, heimtückischen Seitensprüngen die früher oder später auffliegen und die man mindestens aus dem eigenen Dunstkreis der Bekannten und Freunde kennt.

Lügen, werter Leser, mögen lange Beine haben, dass sie auffällig intelligent sind, das kann man nicht behaupten. Insbesondere kennt man sie ja auch aus dem eigenen Leben. Ein Freund neulich: “Das hört nie auf!”, er meinte die Seitensprünge. Will sagen: jeder kennt diese Geschichten, erst von anderen, dann verspürt man selbst dieses Bedürfnis und schwups liegt man flach.

Eine Freundin neulich – auch in einer Beziehung – über ein guten Freund: “… wir sind zu mir, weil ich nicht zu ihm wollte und er mich nicht in Ruhe ließ, dann haben wir geknutscht und später lagen wir aufeinander doch ich wollte ihn nicht in mir haben und dann rutschte er rein … Du glaubst gar nicht wie großartig sich das angefühlt hat! Ich mein, ich hatte zwei Monate keinen Sex, fügte sie hinzu und das H. [ihr eigentlicher Freund] Depressionen schiebe. Wer weiß wie lange noch.” Und dann: “Scheiße man, ich habe keinen Bock darauf [womit sie ihre Seitensprünge meinte]. Selbstlüge! Natürlich hat sie Bock. Sie denkt nur gerne nach. Und der Kopf konstruiert nunmal die Wahrheit in der wir glauben zu leben. Die Wahrheit außerhalb ist oft eine andere. Und noch viel öfter begreifen wir sie nicht. Weil wir nicht hingucken. Weil wir kaum beobachten. Was wir beobachten, das sind unsere Vorstellungen, wie das Leben und die Welt zu sein hat. Und daran messen wir alles was uns geschieht. Und weil wir damit so beschäftigt sind, sind wir auf die Realität die uns umgibt, oft sehr schlecht vorbereitet.

Klar, es gibt das Konzept der offenen Beziehung – es integriert nahezu fabelhaft alle Aussetzer, offenen Bedürfnisse, gar Triebe. Aber das macht die Sache an dieser Stelle viel zu kompliziert, ist mir jetzt eine zu leichte Lösung und schon gar nicht ist es das worum es gerade gehen soll – um den Aberglauben seinem Partner zuzutrauen er sei unwissend oder blind für das was ist. Wissen wir es?

Es ist grotesk, wenn man nur einmal die Augen aufmacht, die Zeichen aufnimmt. Ein guter Partner weiß was man veranstaltet und er weiß in welchem Kampf, die Wahrheit nicht erzählen zu wollen, man selber steckt. Irgendwann lange bevor man es ihm zutraut hat er es begriffen. Nur aus Liebe [oh hoffentlich nicht aus Mitleid!] schweigt er. Man selbst ist der Honk. Die meisten von uns sind Honks und haben großartige Partner, die für uns ertragen, auch wenn wir es ihnen kaum zutrauen.

Mein Partner profitiert jedenfalls wie wir alle von seiner emotionalen Intelligenz insofern als das er auch ohne mich weiß was gerade ist. Eine ewig unterschätze Konstante im Fleischhaufen Mensch. Das es ihm nicht gefällt was ich bin, das wage ich zu bezweifeln. Ich gefalle ihm mehr als die Wahrheit – das will ich sagen. Und so geht es auch mir mit ihm. In Wahrheit gefällt er mir besser als ich denke.

So wie er weiß wann es mir gut geht, wann ich ent- oder angespannt bin, traurig oder glücklich, weiß er auch wann ich streune, hure und wann meine Gesichtshaut trotz unglücklichen Lebens im gefickten Rosa erstrahlt.

Ich will meinen tollen Mann nicht über alles loben und nehme ihn nur als inspirierenden Prototypen für meine Vorstellung von was ein Partner schnallt auch ohne das man es ihm aufzeigt [weil man selbst nicht ein Funken Mut besitzt es ihm zu sagen].

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