Miteinander, ohne einander, nebeneinander.

Das man sich voneinander entfernt kommt vor – in den besten Familien, Freundschaften und Beziehungen. Das man es kaum, gar nicht oder erst zu spät bemerkt, ist das größere Hindernis – sofern gewünscht – auf dem Weg zurück zueinander. Es gibt keine allseits bekannte Wegmarke an der eine Beziehung mit Bestimmtheit unter der Last der Unaufmerksamkeit garantiert zerbricht. Es gibt nur fehlerhaftes Verhalten.

Aufmerksam bleiben, das Gegenüber kennen lernen wollen, jeden Tag, jedes Jahr ist jeder Beziehung zuträglich und allen Beteiligten schmeichelhaft. Was der Neugierde aufeinander den Gar aus macht, leitet auf der anderen Seite jedoch garantiert in jeder Beziehung den schleichenden Tod ein. Möglich, dass einige einen Zwischenstopp in der Stagnation einlegen. Möglich das Eitelkeit, Stolz, Ego und Kleingeistigkeit hier aller Übel Wurzel sind. Der Beziehungstod kann sich, wie ein geopolitischer Krieg, über Jahre hinziehen. Man lebt miteinander, ohne einander, nebeneinander aber kaum mehr füreinander. Das lässt sich aushalten, von dem der stark genug dafür ist. Es macht die krank, die zu schwach dafür sind.

Sich trennen können, loslassen können ist eine herausragende Fähigkeit, die nicht jedem inne wohnt. Für das Führen einer Beziehung gilt dasselbe – Beziehungsführung ist eine meisterhafte Fähigkeit und bedarf einem hohen Einsatz an sozialem Kapital, will einer erfolgreich sein.

Zum Erfolg gehört in jeder Lebenswelt wohl immer auch Sehschärfe: Denn wer seine Illusion von Liebe nicht hinter sich bringt wird nie erkennen was vor ihm steht. Zu Ungunsten des Geliebten, versteht sich. Nur weil wir Augen im Kopf haben, signalisiert oder beschreibt das leider noch nicht die Kompetenz sie zu nutzen. Ich habe mit meinen Augen schon stockblinde Menschen erlebt, gefühlt und mich von ihnen trennen müssen. Jeder Mensch kann wie ein Joghurt unverträglich werden.

Sich zu lieben beschreibt eine Sympathie. Die Verbindung zueinander. Wer keine Sympathie füreinander mehr empfindet, sympathisiert fast automatisiert bereits mit Trennung, mindestens aber mit Gleichgültigkeit und Nicht-Verhalten, was im Grunde weit schlimmer ist. Das ist dann Sich-gehen-lassen und macht emotional dick und träge. Und es, die Gleichgültigkeit und das Nicht-Verhalten ist Verantwortungslosigkeit in Reinform, sich und dem Partner gegenüber. Manche Menschen haben ein Talent dafür, jegliche Schwierigkeit gering zu schätzen und das gemeinsame Leiden vorzuziehen. Andere haben eine Gabe alles zu dramatisieren und die Beziehung in Gift und Galle zu versenken. Dazwischen befindet sich die seltene Fähigkeit des sich längerfristig gegenseitigen, auf Aufmerksamkeit beruhenden Liebens.

In wahrer Verzweiflung hilft zunächst das Wieder-Aktivieren der Zuvorkommenheit.

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